• Tumblr-User im Blickpunkt: J. und A. von Briefwechsel
Heute stellen wir euch ein recht ungewöhnliches Tumblr-Blog vor, das zwei User seit nunmehr knapp drei Jahren führen. Darin findet ihr viele Themen und Gedanken, die allesamt als Korrespondenz zwischen J. und A. vorliegen, die ihr Blog gezielt anonym führen. Wer aber regelmäßig mitliest, kann eine ganze Menge über die Autoren erfahren.
In eurem Blog veröffentlicht ihr Mails, die ihr euch gegenseitig schickt – und das schon seit Jahren. Wie hat alles angefangen?
J: Solche Mails haben bei uns Tradition. Wir schreiben uns schon seit über zehn Jahren lange Briefe, wenn einer eine interessante Beobachtung gemacht hat. Irgendwann kam die Idee, dass man das auch veröffentlichen könnte, weil es häufig eine allgemeine, öffentliche Dimension in diesen Mails gab und ich dachte: „Vielleicht interessiert’s ja jemanden.“ Dass wir nun eine hohe fünfstellige Follower-Zahl haben, ist allerdings überraschend.
A: Genau, es war Deine Idee. Anfangs war ich nicht überzeugt, aber ich mochte den Gedanken, dass wir durch den Blog ein schickes Archiv für unsere Briefe haben. E-Mails sind ja sehr flüchtig, wer sucht schon unter Tausenden Mails nochmal eine von vor drei Jahren heraus? Dass wir jetzt auch von Anderen gelesen werden, freut mich aber sehr.
Kostet es nicht Überwindung, private Korrespondenz zu posten? Oder ist es eher so, dass man sich hinter dieser Form ein bisschen verstecken kann, wenn man eigentlich nicht selbst „die Leute da draußen“ anschreiben will?
A:  Beides trifft ein bisschen zu, aber wir sehen uns in der Mitte zwischen öffentlich und privat. Für Briefwechsel überlegen wir uns schon vorher, ob das Thema über unser persönliches Klein-Klein hinausweist, schreiben also gleichzeitig den Freund und den Leser an. Auch bei gefühligeren Themen halten wir immer ein wenig Distanz, was am Alter liegen mag. Wenn jetzt einer zum Beispiel über eine Krise schreibt, würde er nicht loslegen mit: „Du, ich bin so schlecht drauf! Was ist los mit mir?“, sondern idealerweise mit einem pointierten Gedanken zum Kommen und Gehen von Launen. Lustigerweise war das auch schon vor dem Bloggen so. Da hält sich das mit der Überwindung in Grenzen.
J: Und natürlich schreiben wir uns auch noch private Mails, vor allem wenn man nur mal schnell einen unfertigen Gedanken erzählen will. Das geht auch deutlich schneller, allein schon weil ich in privater Korrespondenz nicht so sehr auf die Rechtschreibung achte. Und weil man dann nicht zwangsläufig diese größere Dimension drin haben muss.
In wie weit sind die Mails wirklich echt, d.h. nicht abgesprochen/„geskriptet“? Hat sich das mit der Zeit vielleicht gewandelt?
J: Es gibt keine abgesprochenen Mails. In privaten Mails oder Telefonaten sagen wir schon manchmal: Das wäre ein interessantes Thema für Briefwechsel. Ob es dann tatsächlich einer mal für den Blog aufnimmt ist allerdings offen. Abgesprochen wird da tatsächlich nichts.  
A: Im Gegenteil, der Leser ist live beim Scripting dabei. Das hat bei uns gute Tradition. Ich habe J. schon immer zur Verfertigung meiner Gedanken herangezogen, weil er teilweise eine komplett andere, aber sehr klare Sicht auf die Dinge hat. Viele meiner heutigen Meinungen sind daraus erwachsen, dass ich etwas in den Raum geworfen habe und er meine Sicht ergänzt, korrigiert, manchmal auch verworfen hat. Darauf würde ich nicht zugunsten eines Skripts verzichten wollen.
Habt ihr Stammleser? Bekommt ihr irgendwelches Feedback?
A: Es gibt schon ein paar Leser, die uns die Treue halten. Darüber freuen wir uns total. Das Feedback ist gemessen an der Follower-Zahl eher überschaubar.
J: Es wäre natürlich toll, wenn wir auch eine Kommentar-Funktion im Blog hätten, um den Lesern das Feedback zu erleichtern. Aber da es ein Gemeinschaftsblog ist, ist das technisch derzeit leider nicht möglich.
Wenn jemand euer Blog noch nicht kennt, mit welchen Inhalten kann er rechnen?
J: Es gibt kein Konzept. Jeder schreibt für sich über Dinge, die ihn bewegen und die er in die Form eines Briefes bekommt. Durch das Dialog-Prinzip kommt dennoch irgendwie eine gemeinsame Linie rein. Vielleicht: Reflexionen über das Leben, Alltag und Gesellschaft.

A: Der Leser hat die Chance, ein Gespräch mitzuerleben. Das Entwickeln, Festhalten und manchmal auch Loslassen von Meinungen, wenn der Andere überzeugender war. 
Foto: J. und A.

      Tumblr-User im Blickpunkt: J. und A. von Briefwechsel

      Heute stellen wir euch ein recht ungewöhnliches Tumblr-Blog vor, das zwei User seit nunmehr knapp drei Jahren führen. Darin findet ihr viele Themen und Gedanken, die allesamt als Korrespondenz zwischen J. und A. vorliegen, die ihr Blog gezielt anonym führen. Wer aber regelmäßig mitliest, kann eine ganze Menge über die Autoren erfahren.

      In eurem Blog veröffentlicht ihr Mails, die ihr euch gegenseitig schickt – und das schon seit Jahren. Wie hat alles angefangen?

      J: Solche Mails haben bei uns Tradition. Wir schreiben uns schon seit über zehn Jahren lange Briefe, wenn einer eine interessante Beobachtung gemacht hat. Irgendwann kam die Idee, dass man das auch veröffentlichen könnte, weil es häufig eine allgemeine, öffentliche Dimension in diesen Mails gab und ich dachte: „Vielleicht interessiert’s ja jemanden.“ Dass wir nun eine hohe fünfstellige Follower-Zahl haben, ist allerdings überraschend.

      A: Genau, es war Deine Idee. Anfangs war ich nicht überzeugt, aber ich mochte den Gedanken, dass wir durch den Blog ein schickes Archiv für unsere Briefe haben. E-Mails sind ja sehr flüchtig, wer sucht schon unter Tausenden Mails nochmal eine von vor drei Jahren heraus? Dass wir jetzt auch von Anderen gelesen werden, freut mich aber sehr.

      Kostet es nicht Überwindung, private Korrespondenz zu posten? Oder ist es eher so, dass man sich hinter dieser Form ein bisschen verstecken kann, wenn man eigentlich nicht selbst „die Leute da draußen“ anschreiben will?

      A:  Beides trifft ein bisschen zu, aber wir sehen uns in der Mitte zwischen öffentlich und privat. Für Briefwechsel überlegen wir uns schon vorher, ob das Thema über unser persönliches Klein-Klein hinausweist, schreiben also gleichzeitig den Freund und den Leser an. Auch bei gefühligeren Themen halten wir immer ein wenig Distanz, was am Alter liegen mag. Wenn jetzt einer zum Beispiel über eine Krise schreibt, würde er nicht loslegen mit: „Du, ich bin so schlecht drauf! Was ist los mit mir?“, sondern idealerweise mit einem pointierten Gedanken zum Kommen und Gehen von Launen. Lustigerweise war das auch schon vor dem Bloggen so. Da hält sich das mit der Überwindung in Grenzen.

      J: Und natürlich schreiben wir uns auch noch private Mails, vor allem wenn man nur mal schnell einen unfertigen Gedanken erzählen will. Das geht auch deutlich schneller, allein schon weil ich in privater Korrespondenz nicht so sehr auf die Rechtschreibung achte. Und weil man dann nicht zwangsläufig diese größere Dimension drin haben muss.

      In wie weit sind die Mails wirklich echt, d.h. nicht abgesprochen/„geskriptet“? Hat sich das mit der Zeit vielleicht gewandelt?

      J: Es gibt keine abgesprochenen Mails. In privaten Mails oder Telefonaten sagen wir schon manchmal: Das wäre ein interessantes Thema für Briefwechsel. Ob es dann tatsächlich einer mal für den Blog aufnimmt ist allerdings offen. Abgesprochen wird da tatsächlich nichts.  

      A: Im Gegenteil, der Leser ist live beim Scripting dabei. Das hat bei uns gute Tradition. Ich habe J. schon immer zur Verfertigung meiner Gedanken herangezogen, weil er teilweise eine komplett andere, aber sehr klare Sicht auf die Dinge hat. Viele meiner heutigen Meinungen sind daraus erwachsen, dass ich etwas in den Raum geworfen habe und er meine Sicht ergänzt, korrigiert, manchmal auch verworfen hat. Darauf würde ich nicht zugunsten eines Skripts verzichten wollen.

      Habt ihr Stammleser? Bekommt ihr irgendwelches Feedback?

      A: Es gibt schon ein paar Leser, die uns die Treue halten. Darüber freuen wir uns total. Das Feedback ist gemessen an der Follower-Zahl eher überschaubar.

      J: Es wäre natürlich toll, wenn wir auch eine Kommentar-Funktion im Blog hätten, um den Lesern das Feedback zu erleichtern. Aber da es ein Gemeinschaftsblog ist, ist das technisch derzeit leider nicht möglich.

      Wenn jemand euer Blog noch nicht kennt, mit welchen Inhalten kann er rechnen?

      J: Es gibt kein Konzept. Jeder schreibt für sich über Dinge, die ihn bewegen und die er in die Form eines Briefes bekommt. Durch das Dialog-Prinzip kommt dennoch irgendwie eine gemeinsame Linie rein. Vielleicht: Reflexionen über das Leben, Alltag und Gesellschaft.

      A: Der Leser hat die Chance, ein Gespräch mitzuerleben. Das Entwickeln, Festhalten und manchmal auch Loslassen von Meinungen, wenn der Andere überzeugender war. 

      Foto: J. und A.