• Tumblr-User im Blickpunkt: Niklaus Reichle von tourneledisque
Niklaus ist 26 Jahre alt und kommt aus Rorschach am Bodensee in der Schweiz. Zurzeit lebt er in St. Gallen und studiert Internationale Beziehungen. Nebenbei jobbt er in einem Plattenladen, organisiert Konzerte in seiner Stadt und singt in der Garagenband Les Chevaux Sauvages. Und dann hat Niklaus noch ein Hobby. Aber lest selbst …
Wie bist du auf die Idee gekommen, Menschen und Plattenspieler zusammenzubringen und das Ganze in einem Blog zu präsentieren?
Meine Eltern haben sich schon früh ihres Schallplattenspielers sowie auch der meisten Schallplatten entledigt. Das Sammeln geht wohl eine Generation weiter zurück. Ich habe dies von meinem Großvater geerbt, der seiner Lebzeiten alles Mögliche angehäuft hat. Noch heute reichen seine Kugelschreiber, Büroklammern und Tesafilm für weitere zehn Jahre.
Meinen ersten Plattenspieler habe ich bei einem lokalen Trödlerladen erworben. Das Gerät war ziemlich mies, aber es reichte für die bescheidenen fünf oder sechs Deutschpunkplatten, die ich damals besaß. Sogleich packte mich das Fieber. Ich kaufte immer mehr Plattenspieler zusammen, auf Flohmärkten, bei Trödlern, in Brockenhäuser oder fand welche auf Briefkästen gestellt zum Gratismitnehmen. Irgendwann hatte ich dann einfach zu viele Geräte. Und dooferweise hing ich dann auch noch daran. Die ersten zwei, drei Stücke verkaufte ich schweren Herzens an Freunde. Jedes Mal wollte ich aber ein Foto machen, damit ich den betreffenden Plattenspieler auf irgendeine Weise doch noch bei mir hatte. Nach einiger Zeit kam mir dann die Idee, das Ganze so halböffentlich zu machen und einen kleinen Blog zu betreiben.
Auf welchem Wege kontaktieren dich die Menschen in der Regel? Bist du außer dem Blog noch irgendwo präsent?
In der Regel läuft das von Mund zu Mund. Mein einziges Fenster zur Welt sind der Blog auf Tumblr und eine entsprechend geführte Facebook-Seite. In seltenen Fällen kann es auch vorkommen, dass ich bei Gelegenheit mal an einem besonderen Markt oder in einer Bar einige Plattenspieler verkaufe.
Die meisten, die bei mir gekauft haben, sind Freunde oder Freunde von Freunden. Einige Anfragen habe ich auch über Email bekommen. Zwei, drei Mal verschickte ich dann einen Plattenspieler, aber wirklich Freude daran hatte ich nicht. Das Spannende an tourneledisque ist nicht einen Versandhandel mit Packtisch aufzubauen, sondern vielmehr den Leuten in meiner Wohnung bei Kaffee, Tee oder Bier Plattenspieler zu zeigen und Geschichten zu erzählen. Diese Geräte muss man anfassen, genau auch wie die Schallplatten. Zudem tönt jeder Plattenspieler anders, was man online halt einfach nicht hören kann.

In deinem Blog fällt auf, dass die meisten Teilnehmer wahrscheinlich deutlich jünger sind als die dazugehörigen Plattenspieler. Was meinst du, woher kommt diese Begeisterung?
Das ist wahr. Die meisten sind durchaus fortschrittliche Zeitgenossen, die auch iPhone und Laptop verwenden. Die Begeisterung für Vinyl ist ungebrochen, denke ich. Nur war lange Zeit die Hemmschwelle damit zu beginnen sehr groß. Ich erinnere mich noch gut an meine ersten Besuche in Plattenläden: Ganz vorsichtig und nervös bediente ich dann den Plattenspieler, wenn gerade niemand hinschaute. Die Generation PC ist es sich zudem nicht mehr gewöhnt eine Stereoanlage aus verschiedenen Komponenten zusammenzuschließen. Alles kommt heute aus einem Gerät und das per Knopfdruck. Kofferplattenspieler sind da geradezu perfekt für den ersten Kontakt mit dem schwarzen Gold, da man keinen zusätzlichen Verstärker und haufenweise Kabel verwenden muss – Stromstecker rein und ab. Ist die erste Hürde zum Vinyl-Genuss mal genommen, kaufen die meisten ziemlich schnell ziemlich viele Platten und das Virus greift um sich. Ich denke, dass zurzeit generell ein Trend hin zu Möbeln und Musik der 50er und 60er auszumachen ist (zumindest in der Schweiz). Vor allem in den Brockenstuben merkt man das, da die Preise von Gegenständen aus diesen Dekaden in der letzten Zeit stark angestiegen sind. Fernsehserien wie Mad Men tun da das Ihrige hinzu.
Hast du ein bestimmtes Lieblingsgerät oder eine Zeit, in der das Design aus deiner Sicht besonders toll war?

Ufff … da gibt es viele, die ich ganz gerne habe. Legendär sind auf jeden Fall die Plattenschlucker bzw. Mangiadischi aus den 50er/60er Jahren, die wie Auto-CD-Player mit einem Schlitz für kleine Vinyl-Singles funktionieren. Ganz gut gefallen mir auch die Plattenspieler, die Dieter Rahms für die Marke Braun konzipiert hat. Diese sind von einer wunderbaren Schlichtheit. Schließlich bin ich auch ein Fan der Philips-Plattenspieler aus den 70er Jahren, die sehr knallige Farben haben und aus Plastik geschaffen sind. Und dann ist da noch der unkaputtbare Technics MK2, der sowohl zu Hause als auch beim Einsatz als DJ tip top passt. Und und und …
Foto: Niklaus Reichle

      Tumblr-User im Blickpunkt: Niklaus Reichle von tourneledisque

      Niklaus ist 26 Jahre alt und kommt aus Rorschach am Bodensee in der Schweiz. Zurzeit lebt er in St. Gallen und studiert Internationale Beziehungen. Nebenbei jobbt er in einem Plattenladen, organisiert Konzerte in seiner Stadt und singt in der Garagenband Les Chevaux Sauvages. Und dann hat Niklaus noch ein Hobby. Aber lest selbst …

      Wie bist du auf die Idee gekommen, Menschen und Plattenspieler zusammenzubringen und das Ganze in einem Blog zu präsentieren?

      Meine Eltern haben sich schon früh ihres Schallplattenspielers sowie auch der meisten Schallplatten entledigt. Das Sammeln geht wohl eine Generation weiter zurück. Ich habe dies von meinem Großvater geerbt, der seiner Lebzeiten alles Mögliche angehäuft hat. Noch heute reichen seine Kugelschreiber, Büroklammern und Tesafilm für weitere zehn Jahre.

      Meinen ersten Plattenspieler habe ich bei einem lokalen Trödlerladen erworben. Das Gerät war ziemlich mies, aber es reichte für die bescheidenen fünf oder sechs Deutschpunkplatten, die ich damals besaß. Sogleich packte mich das Fieber. Ich kaufte immer mehr Plattenspieler zusammen, auf Flohmärkten, bei Trödlern, in Brockenhäuser oder fand welche auf Briefkästen gestellt zum Gratismitnehmen. Irgendwann hatte ich dann einfach zu viele Geräte. Und dooferweise hing ich dann auch noch daran. Die ersten zwei, drei Stücke verkaufte ich schweren Herzens an Freunde. Jedes Mal wollte ich aber ein Foto machen, damit ich den betreffenden Plattenspieler auf irgendeine Weise doch noch bei mir hatte. Nach einiger Zeit kam mir dann die Idee, das Ganze so halböffentlich zu machen und einen kleinen Blog zu betreiben.

      Auf welchem Wege kontaktieren dich die Menschen in der Regel? Bist du außer dem Blog noch irgendwo präsent?

      In der Regel läuft das von Mund zu Mund. Mein einziges Fenster zur Welt sind der Blog auf Tumblr und eine entsprechend geführte Facebook-Seite. In seltenen Fällen kann es auch vorkommen, dass ich bei Gelegenheit mal an einem besonderen Markt oder in einer Bar einige Plattenspieler verkaufe.

      Die meisten, die bei mir gekauft haben, sind Freunde oder Freunde von Freunden. Einige Anfragen habe ich auch über Email bekommen. Zwei, drei Mal verschickte ich dann einen Plattenspieler, aber wirklich Freude daran hatte ich nicht. Das Spannende an tourneledisque ist nicht einen Versandhandel mit Packtisch aufzubauen, sondern vielmehr den Leuten in meiner Wohnung bei Kaffee, Tee oder Bier Plattenspieler zu zeigen und Geschichten zu erzählen. Diese Geräte muss man anfassen, genau auch wie die Schallplatten. Zudem tönt jeder Plattenspieler anders, was man online halt einfach nicht hören kann.

      In deinem Blog fällt auf, dass die meisten Teilnehmer wahrscheinlich deutlich jünger sind als die dazugehörigen Plattenspieler. Was meinst du, woher kommt diese Begeisterung?

      Das ist wahr. Die meisten sind durchaus fortschrittliche Zeitgenossen, die auch iPhone und Laptop verwenden. Die Begeisterung für Vinyl ist ungebrochen, denke ich. Nur war lange Zeit die Hemmschwelle damit zu beginnen sehr groß. Ich erinnere mich noch gut an meine ersten Besuche in Plattenläden: Ganz vorsichtig und nervös bediente ich dann den Plattenspieler, wenn gerade niemand hinschaute. Die Generation PC ist es sich zudem nicht mehr gewöhnt eine Stereoanlage aus verschiedenen Komponenten zusammenzuschließen. Alles kommt heute aus einem Gerät und das per Knopfdruck. Kofferplattenspieler sind da geradezu perfekt für den ersten Kontakt mit dem schwarzen Gold, da man keinen zusätzlichen Verstärker und haufenweise Kabel verwenden muss – Stromstecker rein und ab. Ist die erste Hürde zum Vinyl-Genuss mal genommen, kaufen die meisten ziemlich schnell ziemlich viele Platten und das Virus greift um sich. Ich denke, dass zurzeit generell ein Trend hin zu Möbeln und Musik der 50er und 60er auszumachen ist (zumindest in der Schweiz). Vor allem in den Brockenstuben merkt man das, da die Preise von Gegenständen aus diesen Dekaden in der letzten Zeit stark angestiegen sind. Fernsehserien wie Mad Men tun da das Ihrige hinzu.

      Hast du ein bestimmtes Lieblingsgerät oder eine Zeit, in der das Design aus deiner Sicht besonders toll war?

      Ufff … da gibt es viele, die ich ganz gerne habe. Legendär sind auf jeden Fall die Plattenschlucker bzw. Mangiadischi aus den 50er/60er Jahren, die wie Auto-CD-Player mit einem Schlitz für kleine Vinyl-Singles funktionieren. Ganz gut gefallen mir auch die Plattenspieler, die Dieter Rahms für die Marke Braun konzipiert hat. Diese sind von einer wunderbaren Schlichtheit. Schließlich bin ich auch ein Fan der Philips-Plattenspieler aus den 70er Jahren, die sehr knallige Farben haben und aus Plastik geschaffen sind. Und dann ist da noch der unkaputtbare Technics MK2, der sowohl zu Hause als auch beim Einsatz als DJ tip top passt. Und und und …

      Foto: Niklaus Reichle